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3月16日

Essen in Portugal oder die Portugiesen sind solche Ferkel

Was bis jetzt auf meiner Seite fehlte ist ein Blog über das portugiesische Essen. Woran kann das wohl liegen. Ist es so gut, dass ich immer am Essen bin und ich deswegen keine Zeit habe etwas darüber zu schreiben? Reicht es, dass ich es essen muss und mir vielleicht schlecht werden könnte wenn ich darüber schreibe? Will ich euch einfach nur etwas außerordentlich Gutes vorenthalten? Will ich euch vor diesen Grausamkeiten einfach nur schützen? Die Antwort wird am Ende dieses Eintrags klar auf der Hand liegen. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Es ist wirklich ein schwieriges Thema.

Ich fang einfach bei der guten alten Franzesinha an:
Franzesinha ist eine Spezialität hier in Porto und man bekommt sie in fast jedem Lokal in der Stadt. In den Snack-Bars gibt es sie sogar als Menü mit Getränk um nur vier Euro. In Restaurants muss man für sie schon mal neun Euro ablegen. Aber was ist jetzt nun so eine Franzesinha und woher kommt sie? 
Es war einmal ein Portugiese der in Frankreich lebte und nach einiger Zeit hatte er genug von dieser komischen französischen Küche und wollte wieder einmal etwas Gutes essen. So nahm er die verschiedensten Zutaten und zauberte ein für ihn wunderbares Gedicht. Franzesinha heißt übersetzt „kleine Französin“. Klingt ja nicht so schlecht oder? Aber jetzt kommen wir mal zu den Zutaten und der Zubereitung.

Man nehme eine dicke Scheibe Toastbrot, lege ein Stück gebratenes Fleisch (Schuhsohle) darauf, ein Blatt dicken Schinken, typisch portugiesische Würstel und obendrauf noch eine Scheibe dickes Toastbrot. Auf das Toastbrot gebe man dann ganz viel Käse und rundherum schütte man eine nach Bier schmeckende braune Sauce. Dann schiebe man das ganze in den Ofen und warte bis der Käse geschmolzen sei. Vor dem Servieren gebe man als krönenden Abschluss noch ein Spiegelei auf den Käse und verteile Pommes um die "kleine Französin. Und Appetit bekommen? 

Warum werden die Bewohner Portos Kuttelfresser genannt?
In der Zeit der großen Seefahrer war es üblich, dass man das gute Fleisch mit auf See gegeben hat und die Landbevölkerung hat sich das schlechte Fleisch und die Innereien behalten. Die Zeit der großen Seefahrer ist vorbei aber die Gewohnheit diese grausigen Sachen zu essen haben die Bewohner Portos leider nicht aufgegeben. Also wenn man nach Porto kommt ist es wichtig ein Gericht zu kennen um die Gefahr auszuschalten es nie versehentlich zu bestellen „Tripas do Modo do Porto = Kutteln nach Porto Art“. Ich hab in einem Anfall des Wahnsinns mal gedacht wenn ich schon so lange in Porto wohne und alle davon schwärmen muss ich das wenigstens mal probieren. Also hab ich allen Mut zusammengenommen und einen Bissen davon genommen. Ich kann nur eins dazu sagen: Sollte ich einmal knapp vor dem Hungertod stehen geh ich lieber auf die Wiese und esse Gras bevor ich nur noch einmal einen Bissen davon nehme. Mir war den ganzen Abend so übel, dass das ganze restliche Essen, das wirklich gut war, nicht geholfen hat diesen Geschmack wieder aus meinem Mund und meinem Gedächtnis zu bringen. 

Noch ein paar kurze Statements zur portugiesischen Küche:

-         wie man bei uns geselchte Salami kaufen kann gibt’s hier die Schweinsohren

-         man kann im Supermarkt eine Packung Hühner- und Schweinefüße kaufen (keine Ahnung was man damit macht)

-         sie verwenden fast kein Salz, keine Gewürze und keine Kräuter außer Petersilie

-         Portugiesen sagen, dass ein Essen dann gut war wenn es viel war und einem danach schlecht ist (für mich muss es nicht viel sein, mir wird gleich mal schlecht davon)

-         sie sind ziemlich einfallslos. Es gibt immer Fisch mit Reis oder Kartoffel oder Fleisch mit Reis oder Kartoffel.

-         Egal was man bestellt es ist überall Schinken dabei (Lasagne mit Schinken, Schnitzelsemmel mit Schinken)

-         als Vegetarier hat man ein sehr schweres Leben hier in Portugal

-     alles wird fritiert oder schwimmt in Fett (anfangs hab ich ja noch gedacht, mir passen meine Hosen nicht mehr weil die Putzfrauen im Heim meine Wäsche zu heiß waschen)

Solltet ihr mir nicht glauben, dann überlegt auch mal folgendes: Nehmen wir eine Stadt wie Wien und schlendern wir mal durch die Straßen und sehen uns die verschiedenen Lokale an. Wir werden Restaurants mit Spezialitäten aus den verschiedensten Ländern der Welt entdecken. China, Italien, Frankreich, Thailand, Japan, Indien, Pakistan, Dalmatien, Griechenland und viele mehr. Aber hat ihr schon mal ein portugiesisches Restaurant gesehen? Eben. Glaubt ihr mir jetzt!?

 Heute haben uns portugiesische Studenten gefragt, ob wir mit ihnen kommenden Dienstag Franzesinha essen gehen wollen denn sie kennen ein Restaurant da gibt es die beste Franzesinha Portugals und wir müssen sie dort unbedingt einmal probieren. Da hatten wir schon das Problem. Sie sind hier total stolz auf ihre Spezialität und man darf nicht sagen, dass es einem nicht schmeckt. Das hören sie nicht gerne. Also sagten wir: „Sehr gerne.“ Entweder überleg ich mir noch schnell eine Ausrede oder ich nehm all meinen Mut zusammen und stell mich dieser Herausforderung.

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